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Projekte in Südamerika

Medizinische Hilfe

Rio Quiquibey: März 2008 | Mai 2008 | August 2008 | Dezember 2008

v.l.n.r.: Ilka und Jose Manuel bei der Zahnbehandlung im strömenden Regen. | Leishmaniase - weiße Lepra |
Torsten und Andy beim untersuchen des 10-jährigen Andres. Diagnose: Herzfehler - keine Behandlung möglich |
Dem 4-jährigen Luiz werden ohne Narkose zwei Tischtennisballgroße Abszesse am Kopf, hervorgerufen durch die Borolarven, geöffnet.

März 2008: Bolson, ein Dorf am Oberlauf des Rio Quiquibey
(stellvertretend für die Behandlungen in den folgenden Tagen)

Immer werden wir zuerst von einer Schar neugieriger Kinder erwartet. Später beziehen wir in den saubersten Hütten oder eben in den Schulen Station, bereiten alles vor. Eine Stunde später sitzt das ganze Dorf im Halbkreis vor den Ärzten. Die Krankheitsbilder könnten Unterschiedlicher nicht sein. Drei Leishmaniase-Fälle allein in Bolson. Ein durch einen Wildschweinbiss auf Fussballgröße angeschwollenes Knie. Hautpilzbefall an Armen und Beinen oder am ganzen Körper. Eitrige Abszesse in allen Größen an allen Möglichen Körperstellen, hervorgerufen durch die unzähligen Stiche von allen nur Erdenklichen Insekten. Borolarven die sich in der Kopfhaut einnisten, Stiche, Kratzer, offene Wunden, vereiterte Augen die durch das feuchtheiße Klima, die fehlende Hygiene, nichtvorhandene Toiletten, unsauberes Trinkwasser, die Desorganisation in einigen Dörfern nicht verheilen oder zu Geschwüren anwachsen. Allein in den ersten zwei Tagen werden von Andy 98 Patienten behandelt. Operationen sämtlich ohne Narkose. Beide Ärzte arbeiten am Limit. Ilka hat sich zur perfekten Zahnarztassistentin entwickelt. Zahnbehandlung im Urwald unter feien Himmel, auch bei strömenden Regen. Mit der Stirnlampe spiele ich den "Beleuchter" für die großen und kleinen Behandlungen, dokumentiere per Kamera die meisten Abläufe und Behandlungen für unsere beiden Fundationen. Viele Fälle sind einfach nur zum Heulen und aussichtslos. Oft kann Andy "nur" ein Mittel gegen die Schmerzen verteilen. Besonders die Kinder sind stellenweise in erbärmlichen Zustand. Wirkliche Hilfe, kann nur im Hospital in San Buena oder Rurre erfolgen. Für die Menschen hier oben unerreichbar weit, zu weit entfernt.

Die Dorfgemeindschaft von San Luis Grande bedankt sich bei den Helfer, Ärzten und Spendern
Die Dorfgemeindschaft von San Luis Grande bedankt sich bei den Helfer, Ärzten und Spendern

Nebenbei lernen wir eine Menge über die täglich zu verrichtenden Arbeiten in den Dörfern, sind beim Bau von sieben Meter langen Einbäumen mit dabei, werden zu Tapir, Affenfleisch und Chicha eingeladen. Eine besondere Delikatesse sind die frisch gefangen großen Fische, die noch mit Pfeil und Bogen gejagt werden. In vielen Dörfern leben die Jungtiere der gejagten Elterntiere als Haustiere oder Essensvorrat weiter. Ein kleiner Tapir findet seinen Platz unter dem Mosquitonetz der Dorfbewohner, Affen springen während der Behandlung im Dach umher. Spindeldürre Hunde liegen an den Feuerstellen…Dorfchefs die mit zittrigen Händen ihren Namen oder ihr Zeichen unter das für das deutsche Finanzamt so wichtige Behandlungsprotokoll setzten.

Abends sitzen wir dann lange in der Runde zusammen, sprechen über den vergangenen Tag, planen den Nächsten. Es ist wichtig das erlebte Auszusprechen, für uns alle. Anders ist das gesehene und gefühlte wohl kaum zu verarbeiten. Besonders Andy ist von den vielen Behandlungen geschafft und nervlich am Limit. Sprechen als Therapie fürs Team…
Es sind die Menschen die uns weiterarbeiten lassen, trotz der Probleme bei der Tourorganisation… auch in den folgenden Jahren. Leuchtende Kinderaugen, Dorfgemeindschaften die zum Abschied freundlich winken und sehnsüchtig auf unsere Wiederkehr im Mai und Juli warten…

Dank der eingegangenen Spenden konnten wir zum zweiten Mal die Medizinische Behandlung in Charque und zum ersten Mal in Suapi am Rio Beni realisieren.

Das Projekt Regenzeit e.V. und die Fundation Amepbo können mit heutigem Stand vom 18.03.2008 für die zweite und dritte Medizintour zum Rio Quiquibey im Mai und Juli 2008 die finanziellen Mittel aufbringen und durchführen. Das Projekt Regenzeit e.V. trägt dabei 60 Prozent aller anfallenden Kosten und die Fundation Amepbo 40 Prozent aller Kosten.

Wir bitten weiter um Unterstützung, um auch die vierte medizinische Behandlung im Dezember 2008 planen und realisieren zu können!!!

Im Namen der vielen Helfer und Patienten hier vor Ort, bedanken sich stellvertretend für das Projekt Regenzeit e.V. Torsten Roder und Ilka Sohr und für die Fundation Amepbo Tim Kalke und Jacqueline Pflug.

Die medizinische Behandlung in Zahlen:

Allgemeinärztliche Behandlungen komplett 307
· davon Kinder unter 5 Jahren komplett 75 ( 40 Jungen und 35 Mädchen)
· davon 131 Männer und 101 Frauen

insgesamt 131 Impfungen (Polio, Gelbfieber, Tetanus, Kombi-Impfungen)
Rückenschmerzen: 55 Patienten
Parasitenbefall: 78 Patienten
Infektiöse Hauterkrankungen: 33 Patienten
Augeninfektionen: 18 Patienten
Durchfall: 12 Patienten
Hautpilz: 20 Patienten
Grippe: 46 Patienten
Harnwegsinfektionen: 5 Patienten
Gastritis: 10 Patienten
Leishmaniase: 5 Patienten
Schwangerschaften: 12 Patienten
Leisten/ Nabelbrüche: 11 Patienten
Herzerkrankungen: 3 Patienten

Zahnmedizinische Behandlungen:
47 Extraktionen, davon drei Kieferabszesse