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Verarbeitung der Liane Una de Gato
Früchte zur Herstellung von Sirup
jetzige Produktionshalle Cosina Lorena

Das größte Problem war, wie befürchtet, vor Ort in Bolivien einen kompetenten und vor allem motivierten Ansprechpartner zu finden.

Mit Hartnäckigkeit und Glück haben wir die richtigen Leute gefunden: Stefan Rybak und Carlos Espinosa. Beide arbeiten in und um Rurrenabaque für den Deutschen Entwicklungsdienst, unterstützen die Komunidades der Umgebung vor allem mit Know-How. Was noch viel wichtiger war, beide fanden unsere Ziele gut und hatten jede Menge Ideen. Vor allem erklärten sie sich auch bereit, das Projekt während unserer Abwesenheit zu betreuen, zu dokumentieren und eben auch zu kontrollieren.

Neben den alteingesessenen Indigenas, leben viele Bauern aus dem Hochland im Beni-Tiefland. Sie wurden in den achtziger Jahren von der Regierung dort angesiedelt, nachdem ihre Ernten auf dem Altiplano durch Naturgewalt vernichtet worden waren. Während die indigenen Völker des bolivianischen Tieflandes mit dem Dschungel leben, war er für die Hochlandbauern eher der Feind. Als Bauer braucht man Felder und will die Erträge steigern, also muss man Abholzen und Düngen. Offiziell regeln inzwischen Gesetze die Holz- und Landnutzung im und um den Madidinationalpark. Aber ein wichtiger Punkt beim Schutz der Natur sind alternative und verträgliche Verdienstmöglichkeiten zum Raubbau. Vor allem in den ausgewiesenen Pufferzonen um den Park ergreifen viele Komunidades und Familien selbst die Initiative. Es geht vor allem darum, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen. Angefangen von der holzsparenden Kochstelle, über die Verwertung überschüssiger Früchte bis zu Sägewerken, in denen eben nicht mehr die Hälfte des geschlagenen Holzes als Abfall sinnlos abgebrannt wird (das Büro der TES, Tourismo Ecologico Social, in Rurrenabaque bietet eine informative Tagestour, einschließlich eines Besuches dieser Projekte an - das Geld geht direkt an die Kommunen).

Die Fasern der Liane werden zur Weiterverarbeitung vorbe- reitet. Die Kletter- und Kriech- liane wächst nur im intakten Ökosystem Regenwald. Ein Ausbau der Produktion oder das Züchten von Una de Gato als Kulturpflanze ist somit nicht möglich.
Im Indiodorf Villa el Carmen gibt es weder fließend Wasser noch Strom, dafür diese provisorische "Produktionshalle" für das Abfüllen der Medizin aus der Lianenart Una de Gato.
Das Endprodukt Una de Gato

Hoch motiviert haben einige die ersten Schritte schon getan. Durch geringe finanzielle Unterstützung können wirkliche Verdienstalternativen aus den Initiativen hervorgehen. Aber welche Bank vergibt schon einen Kredit z.B. für den Kauf eines Kochtopfes und dann noch an einfache Bauern?

Aus mehreren Vorschlägen haben wir uns schließlich für die Kommunidad "Villa el Carmen" entschieden. Bei unserem ersten Besuch vor Ort tafeln die Frauen stolz alle Produkte aus eigener "Produktion" auf. Wir kommen uns vor, wie beim Staatsempfang. Dann geht's an die Praxis. Aus der Rinde der Liane "Una deGato" (uncaria tomentosa/Katzenkralle) stellen sie medizinische Säfte her. In Deutschland ist der Wirkstoff sehr teuer, in Bolivien und seinen Nachbarländern gehört er zur traditionellen Volksmedizin. Die Absatzchancen sind gut und das Beste ist: Die Liane ist eine Pionierpflanze, erreicht die effektive Größe aber nur in einem Urwald mit ausgewachsenen Bäumen. Also Ohne Dschungel keinen Lianensaft. Nach dem kräfte-
zehrenden Weichklopfen wird durch langes Kochen ein Sud hergestellt. Abgeseiht und erkaltet wird er abgefüllt, pur (für Diabetiker) oder mit Honig versetzt. Da beginnen die Probleme, denn der Käufer will ein optisch ansprechendes, lange haltbares Produkt. Bestimmte Märkte kann man sich nur mit einem Gesundheitszertifikat erschließen.

Plastikflaschen sind preiswert, aber unhygienischer. Doch Glasflaschen werden nur weit weg in Santa Cruz hergestellt, und es gibt Mindestposten in der Abnahme und aufgrund der miserablen Straßenverbindungen ständig Lieferprobleme. Ähnlich sieht es bei der Herstellung von Marmeladen, Fruchtsirup u. ä. aus. Die Früchte sind im Überfluss vorhanden, würden ungenutzt verfaulen. Es müssen keine Plantagen angelegt werden. Das Problem sind geeignete Töpfe und das hygienisch einwandfreie, attraktive Verpacken. Nach 2 Stunden Schauen und vor allem Zuhören haben wir eine Entscheidung getroffen. Die Frauen und Männer erstellen eine nach Dringlichkeit geordnete Bedarfsliste plus Kostenvoranschlag, wie z.B. den Kauf von zwei Töpfen mit Sandwichboden in der Hauptstadt, Material für ein Schutzdach, Drucken von Etiketten usw.

Projekt Regenzeit e.V. übergibt Ausrüstungsmaterial für die Produktion von Una de Gato

Aus der Basisfinanzierung des Projektes wurden bisher folgende Investitionen getätigt:

  • Gebäude, das der Produktion und Qualitätskontrolle dient
  • Messgeräte für Temperatur und Zuckergehalt
  • Etiketten, Verkaufsbehälter

In den nächsten Wochen können folgende Investitionen zum Abschluss gebracht werden:

  • zwei Edelstahltöpfe 40 Liter
  • zwei Tische und ein Schrank für den Produktionsraum
  • Geräte, um die Flaschen mit Kronkorken zu verschließen
Im Februar 2006 konnten wir mit der Übergabe eines großen, neuen Tischs und eines Produktionsregals das Projekt "Una de Gato" abschließen. Das fertige Produkt wird bereits in Rurrenabaque zum Kauf angeboten!!!